Die Gestaltung der Eingewöhnungszeit

Die Eingewöhnung in eine Tageseinrichtung ist für das Kind, die Eltern, die Erzieher und für die ganze Kindergruppe eine besondere Herausforderung.

Das Kind wird sich in einen ihm unbekannten Tagesablauf einfinden, neue Gewohnheiten entwickeln, sich viel Neues erschließen und neue Beziehungen zu Erwachsenen und Kindern aufbauen. Für diesen Prozess benötigt ein Kind Zeit und Raum.

Für die Eltern bedeutet die Aufnahme ihres Kindes in eine Tageseinrichtung ebenfalls eine Veränderung. Häufig ist es der erste Lebensabschnitt, der nicht mehr ausschließlich zwischen Kind und Eltern gestaltet wird. Das Kind wird selbstständiger. Die Erzieher werden zu wichtigen neuen Bezugspersonen.

Für die Erzieher ist die Aufnahme eines Kindes und seiner Eltern in die Tageseinrichtung bei jedem Kind eine neue Aufgabe. Es gilt, ein Kind mit seiner persönlichen Geschichte, seinen Vorlieben und Ängsten kennen zu lernen und ihm Orientierung und Sicherheit in der Tageseinrichtung zu vermitteln und somit eine vertrauensvolle Beziehung zu dem Kind und seinen Eltern aufzubauen.

Für die Kindergruppe ist die Aufnahme eines neuen Kindes spannend. Ein neues Mitglied in der Gruppe verändert die Rollen und Spielpartnerschaften und neue Freundschaften entstehen.

1. Phase der Eingewöhnung (ca. 3 Tage)

Das Kind kommt mit seiner Bezugsperson um 8:15 Uhr ins Kranichnest (Krippe) oder in den Wald (Kiga) und begleitet die Kindergruppe bis ca. 10:30 Uhr (Krippe) bzw. ca. 11 Uhr (Kiga). Durch die Anwesenheit der Bezugsperson fühlt sich das Kind trotz fremdem Umfeld geborgen und wird aus dieser Sicherheit heraus seine neue Umgebung erkunden. Die Bezugsperson wird gebeten, sich in dieser Phase möglichst beobachtend zu verhalten. Die Erzieher gehen behutsam auf das Kind ein und schaffen so eine vertrauensvolle Basis.

Gegen 10:30 / 11 Uhr verabschieden sich Kind und Bezugsperson von der Kindergruppe und gehen.

Sie sollen während dieser Phase vor allem anwesend sein und das Kind begleiten. Drängen Sie Ihr Kind zu keinem bestimmten Verhalten. Lesen oder stricken Sie nicht und überlassen Sie die Sorge um die anderen Kinder getrost den Erziehern. Genießen Sie es einfach, Ihr Kind bei der Erkundung der neuen Umgebung zu beobachten. Die Fröhlichkeit und Gelassenheit Ihres Kindes bedeutet nicht, dass Ihre Anwesenheit gar nicht notwendig ist. Ihr Kind wirkt so unbeschwert, weil Sie dabei sind. Sein Verhalten würde sich in den meisten Fällen sofort ändern, wenn Sie während der ersten Tage fortgingen. Unterstützen Sie das Interesse Ihres Kindes an der Erzieherin. Als Mutter oder Vater haben Sie einen sehr großen Einfluss auf Ihr Kind. Wenn Sie freundlich zur Erzieherin sprechen, wird Ihr Kind es bemerken und entspannter an die Situation herangehen.

Schutzsuche erwidern. Werden Kinder in den ersten Lebensjahren überfordert oder durch etwas Unerwartetes irritiert, suchen sie meistens Schutz bei ihrer Bindungsperson. Je nachdem wie stark das Kind beunruhigt war, findet es im engen Körperkontakt oder durch bloßen Blickkontakt sein inneres Gleichgewicht wieder. Eine fremde Person, auch die Erzieherin, kann das Kind in der ersten Zeit meistens nicht beruhigen. Sie sollten deshalb in der Anfangszeit die Schutzsuche immer erwidern, bis die Erzieherin Ihr Kind in dieser Weise beruhigen kann. Wenn Ihr Kind in einer solchen Situation Ihre Nähe sucht, sollten Sie es nicht drängen, sich wieder zu lösen. Ruhiges Abwarten, bis sich Ihr Kind von allein wieder der Umgebung zuwendet ist die beste (und schnellste) Methode.

Innerhalb kurzer Zeit macht sich Ihr Kind nicht nur mit der neuen Umgebung vertraut, sondern auch mit der Erzieherin. Es baut relativ schnell zur Erzieherin eine Bindungsbeziehung auf, so dass auch sie dann die Funktion der „sicheren Basis“ übernehmen kann. Die Erzieherin kann nun Ihr Kind trösten, wenn es weint. Erst wenn Ihr Kind eine Beziehung dieser Art aufgebaut hat, kann es auf Ihre Anwesenheit im Kindergarten verzichten.

In den ersten drei Tagen sollten Sie auf keinen Fall Trennungsversuche machen. Die ersten drei Tage spielen für die Eingewöhnung des Kindes eine wichtige Rolle und dürfen nicht durch eine vorzeitige Trennung belastet werden.

2. Zweite Phase der Eingewöhnung/Erste Trennung (nach frühestens 3 Tagen, jedoch nie an einem Montag)

Eine erste Trennung kann am vierten Tag versucht werden. Verabschieden Sie sich von Ihrem Kind und gehen Sie außer Sichtweite der Kindergruppe. Wenn Ihr Kind weint, wenn Sie es verlassen, gehen Sie trotzdem außer Sichtweite, bleiben aber in unmittelbarer Nähe der Gruppe. Lässt sich Ihr Kind nicht innerhalb kurzer Zeit beruhigen, gehen Sie zu ihm zurück und versuchen sie eine erneute Trennung am nächsten Tag. Lässt sich das Kind innerhalb weniger Augenblicke von der Erzieherin beruhigen und durch Spielangebote ablenken, können Sie sich in den darauf folgenden Tagen für allmählich längere Zeiten von Ihrem Kind verabschieden.

Bis zur Mitte der zweiten Eingewöhnungswoche müssen Sie jedoch in der Nähe des Kindergartens bleiben, um notfalls zur Stelle zu sein, sollte Ihr Kind Probleme haben, die die Erzieherin noch nicht lösen kann.

In dieser Phase der Eingewöhnung lernt das Kind, dass es sich auch in dieser ungewohnten Situation auf Erzieher und Eltern verlassen kann und die Betreuungszeit kann nach und nach erweitert werden.

3. Abschluss der Eingewöhnungszeit

Nach Abschluss der Eingewöhnungszeit kann Ihr Kind ganztags von 8 Uhr bis 17 Uhr in unserer Einrichtung betreut werden.

Jetzt lässt sich Ihr Kind im Ernstfall von der Erzieherin trösten. Das muss nicht heißen, dass Ihr Kind nicht mehr weint, wenn Sie sich nach dem Bringen von ihm verabschieden. Es drückt damit aus, dass es Sie lieber im Kindergarten dabei hätte und das ist sein gutes Recht. Es wird sich jedoch nach Abschluss der Eingewöhnungszeit von der Erzieherin beruhigen lassen, wenn Sie gegangen sind.

 

WICHTIG BEI JEDER PHASE DER EINGEWÖHNUNG IST:

Die Eingewöhnung ist ein individueller Prozess und hängt stark von der Persönlichkeit des Kindes, seinem Alter und Entwicklungsstand und seinen Vorerfahrungen ab. Daher kann es in der Eingewöhnungszeit immer wieder zu Veränderungen kommen. Das einzelne Kind bestimmt mit seinem Verhalten und seinen Reaktionen die konkrete Situation seiner Eingewöhnung.

Es können unvorhersehbare Situationen eintreten, die eine Verlängerung der Eingewöhnungszeit erfordern, z.B. aufgrund einer Erkrankung des Kindes. Erkrankungen beeinträchtigen das Interesse und die Fähigkeit des Kindes, sich mit der neuen Umgebung auseinanderzusetzen.

Steht schon vor Beginn der Eingewöhnung fest, dass es in Kürze zu einer Betreuungsunterbrechung kommen wird (Urlaub von Ihnen, geplanter Krankenhausaufenthalt, etc.), sollte die Eingewöhnung erst danach begonnen werden.

Als Eltern sollten Sie für die Eingewöhnung zwei Wochen einplanen, wo Sie das Kind beim Start bei uns begleiten. Die angegebenen Tagesangaben sind Richtwerte, da die Eingewöhnung ein individueller Prozess ist. Unserer Erfahrung nach schaffen es die meisten Kinder innerhalb der zwei Wochen bei uns anzukommen und das notwendige Vertrauen zu unseren ErzieherInnen zu entwickeln.

Verabschiedung und Trennung

Wenn Sie Ihr Kind ins Kranichnest/in den Wald gebracht haben, gehen Sie nie fort, ohne sich von ihm zu verabschieden. Sie setzen das Vertrauen Ihres Kindes aufs Spiel und müssen damit rechnen, dass Sie Ihr Kind nach solchen Erfahrungen nicht aus den Augen lässt oder sich „vorsichtshalber“ an Sie klammert, um Ihr unbemerktes Verschwinden zu verhindern.

Auch wenn es Ihnen schwer fällt: Halten Sie bitte Ihren Abschied kurz und ziehen Sie ihn nicht unnötig in die Länge. Sie würden Ihr Kind mit einem solchen Verhalten nur belasten. Kinder reagieren auf einen kurzen Abschied mit weniger Stress.

Die Eltern und Erzieher stehen in der Eingewöhnungszeit in engem Kontakt miteinander und sprechen jeden Schritt und das weitere Vorgehen individuell ab.

 

Übergang Krippe - Kindergarten

Einer der Vorteile des Kranichnests ist, dass Ihr Kind bei uns nach der Krippe in der Einrichtung bleiben und in die Waldgruppe wechseln kann. Durch die regelmäßigen Besuche der Krippe im Wald, durch die gemeinsame Betreuung nachmittags (z.B. im Außengelände, Bewegungs-Kreativraum) lernen die Krippenkinder bereits die Erzieher und Kinder des Kindergartens kennen. 2-Jährige können – individuell am Bedarfsfall abgestimmt – an Ausflügen und Aktionen des Kindergartens teilnehmen (z.B. Heinerfest). Insofern sind die Erzieher in Krippe und Kindergarten bemüht, einen ‚weichen’ Übergang zwischen Krippe und Kindergarten zu schaffen. Im Einzelfall können Kinder nahtlos von Krippe zu Kindergarten wechseln, wenn die Bindung dies bereits zulässt.

Übergang Kindergarten - Schule

Bei vergleichenden Untersuchungen von Grundschulkindern wurde festgestellt, dass Kinder, die einen Waldkindergarten besucht haben, in ihren Fähigkeiten sehr gut auf die Anforderungen der Schule vorbereitet sind:

  • Sie erwerben ein gesundes Maß an Motivation, Ausdauer und Konzentration.
  • Sie lernen soziale Kompetenz (Wertschätzung, Respekt) und Teamfähigkeit, Lösung von Konflikten.
  • Eigenständigkeit und Individualität werden gefördert.
  • Ihre Kreativität ist überdurchschnittlich ausgeprägt.
  • Ausdrucksweise und Kommunikation sind gut ausgebildet.
  • Sie sind begeisterungsfähig und neugierig.
  • Fein- und Grobmotorik sind gut ausgebildet. Körperlich sind die Kinder gut entwickelt. Es gibt keine Haltungsschäden oder ähnliches durch Bewegungsmangel oder einseitiges Bewegungsverhalten.
  • Durch die Bewegung wird die kognitive Entwicklung gefördert und unterstützt dadurch die Lernfähigkeit.

 

Die ältesten Kinder werden darüber hinaus noch mal zusätzlich auf den Schulwechsel vorbereitet. Dazu gehören häufigere Kleingruppenarbeit, sowohl vormittags im Wald als auch am Nachmittag im Kranichnest. Die Kinder haben hier die Möglichkeit, mit einer Erzieherin kleine Exkursionen zu unternehmen und auf bestimmte Themen intensiver einzugehen. Dazu gehören z.B. Tiere und Pflanzen zu beobachten, Informationen zu sammeln und anschließend zu dokumentieren bzw. zu verarbeiten.
Am Nachmittag liegt der Schwerpunkt im kreativen Bereich: die Großen arbeiten über einen längeren Zeitraum an einem Werk. Hier ist es uns – neben dem konzentrierten Arbeiten – wichtig, dass angefangene Werke zu Ende gebracht werden (z. B. kleine Webteppiche, Werkarbeiten, Gemälde). Zusätzlich zu unseren Kleingruppenarbeiten machen wir spezielle Auflüge für die 5- und 6-jährigen, wie z. B. Besuch von Kunstausstellungen und Kinderkonzerten. Zum Abschluss der Kindergartenjahre übernachten wir mit den Schulkindern im Kranichnest.