Kranichnest Aufbau 2010

Aus jedem Pflänzchen wächst ein Baum

Das Kranichnest darf mit Stand von heute durchaus auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Der Verein hat inzwischen Strukturen und eine Organisationsreife, die sich hinter den großen städtischen, kirchlichen oder sonstigen Einrichtungen nicht verstecken muss. Damit einhergehend bieten wir für unsere Kinder ein pädagogisches Konzept auf hohem Niveau für Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren.

Das alles ist keine Selbstverständlichkeit, da die Kita von Eltern ohne Vorwissen gegründet wurde sowie organisiert, verwaltet und geleitet wird. Gerade die ersten drei Jahre waren außerordentlich schwierig. Nur dadurch, dass Eltern und Erzieher Hand in Hand mit viel gegenseitigem Vertrauen, Anerkennung und Wertschätzung und Durchhaltewillen zu einer echten Gemeinschaft gefunden haben, konnte aus einer Idee ein tragfähiges und funktionierendes Konzept entstehen.

Ein innovatives Konzept

Das Kranichnest wurde Anfang 2010 von einer Gruppe von Eltern gegründet, die entweder für ihre Kinder keinen Krippen- bzw. Kindergartenplatz gefunden hatten oder mit den bestehenden Angeboten in Darmstadt nicht glücklich waren. Zum damaligen Zeitpunkt fehlten ca. 400 Kindergartenplätze in Darmstadt und die Betreuungsquote für Krippenkinder lag noch weit unter 35 Prozent. Insbesondere im Stadtteil Kranichstein fehlten ausreichend Krippenplätze.

Nach ersten Gesprächen mit Verantwortlichen der Stadt Darmstadt und Vertretern des Jugendamtes schienen die Voraussetzungen für die Gründung einer Kita in freier Trägerschaft einer Elterninitiative günstig, so dass sich die Eltern an die Arbeit machten. Die Waldrandlage von Kranichstein ließ schnell den Gedanken aufkommen, dass eine naturpädagogische Einrichtung  im nahegelegenen Fasaneriewald ideal sei.

Da insbesondere der Bedarf nach einer ganztägigen Betreuung groß war, entschieden sich die Eltern für die zusätzliche Anmietung von Räumen, um die Nachmittagsbetreuung gewährleisten zu können. In Steinwurfnähe des Waldes konnten sie hierfür die Vermieter des ehemaligen Restaurants „Zarenhof“ von ihrer Idee gewinnen, so dass bereits im Juni 2010 mit den Umbauarbeiten begonnen werden konnten.

In mehr als 2.500 Arbeitsstunden hat die stetig wachsende Gruppe an interessierten Familien bis Januar 2011 die Räumen in behagliche und kindergerechte Kitaräume mit einer Gesamtgröße von 240 qm in Eigenleistung umgewandelt.

Bereits vor Beendigung der Umbauphase ging die Waldgruppe im Oktober 2010 an den Start, zunächst nur für den Vormittag. Im Januar 2011 sollte die Öffnung der Krippe folgen.

Neben dem integrierten Waldkindergartenkonzept (vormittags draußen im Wald, nachmittags drinnen in den eigenen Räumen) und der angeschlossenen naturpädagogisch ausgerichteten Krippe gab es noch eine weitere Besonderheit: die Waldgruppe konnte fünf sog. U3-Kinder aufnehmen. Damit betraten wir Neuland in Darmstadt.

Personalnot allen Orten

Während 2011 noch der weitere Feinschliff in Sachen Umbau und Ausstattung erfolgen sollte, plagte uns von Anfang ein großes Problem: Es war enorm schwierig auf einem wie leergefegten Arbeitsmarkt fachlich geeignete und menschlich passende ErzieherInnen zu finden. Dies führte von Beginn an zu Verzögerungen und sollte uns die nächsten zwei Jahre noch ganz massiv verfolgen. Vor allem auf Grund von Schwangerschaften, Familienumzügen oder chronischen Krankheiten sollte sich das Team des Waldkindergartens in einem ständigen Umbruch befinden. Die langanhaltende Personalnot sollte phasenweise den Verein an oder gar über seine Grenzen führen. Nur mit viel Einfallsreichtum und großem Durchhaltewillen der Eltern und ErzieherInnen konnten wir 2013 endlich alle unsere Teams kompletieren.

Korrekturen am Konzept

Die sehr personalintensive Betreuung der U3-Kinder im Wald führte vor diesem Hintergrund zur Überlegung, das bestehende Konzept zu überarbeiten. Obwohl wir durchaus positive Erfahrungen mit unter dreijährigen im Wald gemacht hatten, wollten bzw. mussten wir Personalbelastungen reduzieren und den organisatorischen Aufwand für diese Art der Betreuung ändern. Nach Gesprächen mit der Stadt fanden wir Verständnis für diese Situation, so dass wir – bei gleich bleibender Gruppengröße – die Alterszusammensetzung auf ein „normales Maß“ zurück führen konnten. Seit September 2013 haben wir in der Waldgruppe nur noch Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren.

Mit der Lösung des Personalproblems konnten wir endlich stabile und sehr gut miteinander arbeitende Teams entwickeln. Auf dieser Basis ging der Vorstand an die Verbesserung der Nachmittagsbetreuung. Vor allem in der Waldgruppe arbeiteten wir nur mit erfahrenen Naturpädgoginnen, die ihre Vorlieben vor allem in der Vormittagsbetreuung hatten. Um diesem Umstand auch in der pädagogischen Qualität besser Rechnung tragen zu können, hatten wir daher für die Zeit von 13 bis 17 Uhr eine verantwortliche Fachkraft gesucht, die ausgewiesene Qualitäten im kreativen und handwerklichen Bereich hatte und die dem Nachmittag mehr Struktur und inhaltliche Qualität geben sollte. Mit Einstellung einer entsprechend erfahrenen Erzieherin begannen wir gleichzeitig mit der Einrichtung eines Werkraums und Ateliers.

Ein Plus durch eine pädagogische Leitung

Im ersten Jahr arbeiteten im Kranichnest vier Erzieherinnen in Vollzeit sowie zwei FSJ-Kräfte. Mit dem Anwachsen der Gruppengrößen und durch die ständigen Umbrüche im Personalbereich setzten wir stärker auf Teilzeitkräfte, um durch Ausfälle entstandene Lücken besser schließen zu können. Mit Komplettierung der Teams im Sommer 2013 war unser Personal auf neun Erzieherinnen, eine Jahrespraktikantin, eine FOS-Praktikantin und eine Reinigungskraft angewachsen. Viele Abläufe schienen auf einmal nicht mehr so reibungslos zu funktionieren. Was anfangs oft per Zuruf und zwischen Tür und Angel teamintern und teamübergreifend geregelt werden konnte, musste nun in Teamsitzungen abgestimmt werden oder schriftlich bei der Übergabe geregelt werden. Gleichzeitig ächzte der Vorstand unter der Last der täglichen Arbeit, die die Organisation, die Verwaltung und die Personalarbeit im Kranichnest bedeuteten. Gemeinsam beschlossen daher alle Beteiligten (Eltern, Vorstand und ErzieherInnen) sämtliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf den Prüfstein zu stellen und neu zu ordnen. Im Zuge einer Organisationsberatung haben Vertreter aus allen Gruppen bis Ende 2013 gleichberechtigt in mehreren Workshops die Organisationsstrukturen des Vereins überarbeitet. Dabei haben alle Beteiligten die Notwendigkeit einer pädagogischen Leitung erkannt, die durch eine Doppelspitze (Leitung und Stellvertretung, je eine Vertreterin aus Kiga und Krippe) repräsentiert werden sollte. Auch bei den Elternaufgaben und Vorstandszuständigkeiten gab es Änderungen, wodurch insbesondere die Vorstände entlastet wurden. 2014 waren dann beide Positionen mit Erzieherinnen aus den jeweiligen Teams besetzt, wodurch sofort eine spürbare strukturelle Verbesserung eintrat.

Das Kind im Mittelpunkt

Während wir in der Phase der Personalnot oft mehr mit der Sicherstellung der Betreuung beschäftigt waren, als mit Erziehung- und Förderungsfragen, sollte sich das ab Mitte 2013 endlich ändern. Mit Personal- und Teamstabilität und neuen Organisationsstrukturen konnten wir endlich unsere Abläufe ganz auf die Bedürfnisse der Kinder ausrichten und Schritt für Schritt unsere pädagogische Zielvorstellung verwirklichen. Neben Verbesserungen in den alltäglichen Dingen kamen insbesondere Projekte hinzu, wo wir thematisch Schwerpunkte setzen konnten. Wir implementierten bei uns feste Partizipationsmöglichkeiten für die Kleinen, wodurch sie Einfluss auf das Tagesgeschehen nehmen können. Für die Zeit in den Räumen kamen neue Angebot hinzu, die besonders die Kreativität und die feinmotorischen Fähigkeiten der Kinder verbessern sollten und inhaltlich oft an den Vormittag anknüpften. Regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen sind bei uns fester Bestandteil, um unsere ErzieherInnen dazu auch zu befähigen.

Weitere Professionalisierung

Ende 2014 merkten wir, dass viele Ideen und Vorstellungen aus der Gründungszeit so nicht mehr Bestand hatten. Aus einem kleinen Pflänzchen war inzwischen ein richtiger kleiner Baum entwachsen. Da wir uns alle einig darin waren, dass wir inzwischen sehr stabil „laufen“, entschieden wir uns dafür, unser Leitbild komplett zu überarbeiten und neu zu erstellen. Es sollten sich wieder Vertreter Elternschaft, Vorstand und Erzieherteams zu Arbeitsgruppen und Workshops finden, um unsere Vision von kindgerechter und sinnvoller Betreuung und Erziehung in einem natürlichen Umfeld zu formulieren.